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DE: Ich habe vor Kurzem eine interessante E-Mail von Chaim erhalten. Er führt selber einen Blog (www.le-chaim.de) und plant demnächst einen größeren Artikel über Mode-Blogs zu schreiben. Aufgrund der Tatsache, dass sein Blog eher weniger mit einem Mode-Blog gemein hat, suchte er Meinungen und Stellungen zu gewissen Fragen, die ihm persönlich in den Kopf gekommen sind. Ich versuche nun einfach mal alle Fragen zu bündeln und sie in einem Text zu beantworten.

Vorweg finde ich es wichtig zu erwähnen, dass meiner Meinung nach, Blogs im Allgemeinen zu mehr Wichtigkeit und Stellung gelangen. Egal ob durch Kritik, eigene Meinungen oder Trends, die durch Blogs erst zu Trends werden. Je mehr Bewusstsein dieses Blogger-Dasein aber auch erlangt, desto mehr muss man auch die Spreu vom Weizen trennen.

Deswegen komme ich zu dem Punkt, dass es für mich zumindest lange nicht ausreichen würde, einfach nur seine Outfits zu präsentieren. Es muss eine gewisse Substanz dahinter stecken. Oftmals kommt es mir so vor, als würden Bilder einfach komplette Texte ersetzen, aber das tun sie nicht. Es ist zwar schön zu sehen, was andere anziehen, aber „was dahinter steckt“, „woher es kommt“ und „warum genau so“ wird oft außer Acht gelassen. Ich schaue mir gerne Ideen von anderen Bloggern an, aber würde nicht Eins-zu-Eins kopieren. Ich fahre meinen „Stil“ schon seit Jahren. Natürlich entwickelt er sich immer weiter und verändert sich, aber ein roter Faden zog sich schon immer durch. Durch meine Lebensweise und mein Umfeld bildete sich mein Äußeres, die Musik hat viel damit zu tun.

Ich wurde schon oft kritisiert und beurteilt aufgrund meiner äußeren Erscheinung, deswegen macht es mir schon länger nichts mehr aus, falls jemand sagt, was ihm nicht gefällt. Wenn es jedoch um konstruktive Kritik geht, ist es etwas anderes. Aber komplett mein Styling verändern, nur weil es vielleicht nicht so gut ankommt? Würde ich nicht tun, nein.

Du spieltest auf das Thema an, wie wichtig der finanzielle Aspekt bei einer Outfitwahl ist. Meiner Meinung nach gar nicht. Natürlich gibt es diejenigen, die gerne Marken kaufen, entweder weil es ihnen wichtig ist, es zum guten Ton gehört oder plump gesagt, weil man es einfach kann. Ich habe nie viel Wert darauf gelegt. Ich finde es spannender in Secondhand-Läden rumzustreunern oder auf Schnäppchen-Suche in Geschäften zu gehen. Solange man genügend Kreativität besitzt und weiss, wie man Stücke miteinander kombinieren kann, spielt der Preis doch keine Rolle mehr.

Das Ergebnis zählt und dazu braucht man keine offensichtlich gesetzten Label-Namen. Ich finde man kauft sich keinen guten Stil mit Geld, entweder man hat ihn oder entwickelt ihn. Das teuerste Kleid kann an einem Menschen billig aussehen, wenn die Person, die es trägt, dies einfach nicht verkörpern kann. Und das geht auch andersrum, das günstigste Top kann es möglich machen einen Wow-Effekt auszulösen!

Und nun zum letzten und kritischsten Punkt. Ich zitiere an dieser Stelle: „Denkst du, dass Menschen die mehr Zeit in Kleidung investieren bzw. gewagter sind auch mal mit Farben zu experimentieren oder ihren eigenen Stil herausarbeiten statt das zu tragen, was alle tragen, in der Regel auch selbstbewusster sind oder sogar beliebter?“

Im vorausgegangenen Satz erwähnst du zudem die Frage nach dem sozialen Status. Es ist schwer darüber eine kurze kompakte Antwort zu geben, denn es könnte eine ganze Diskussion füllen. Generell gesagt, finde ich, dass Kleidung selbstbewusster machen kann, aber nicht zwangsweise machen muss. Es ist sehr facettenreich: Es gibt den Typus „Gruppeneffekt“, egal in welcher Stilrichtung, in dem es einfach angemessen ist bestimmte Kleidung zu tragen „um dazu zu gehören“. Sei es in reicheren Kreisen, den Anspruch auf Markenkleidung, in Freundeskreisen ähnelt sich die äußere Erscheinung ebenfalls, sei es, weil sie alle auf härtere Musik stehen, alle gerne Surfen gehen oder Partymäuse sind.

Man sieht oft eine gewisse Anpassungsfähigkeit. Dann gibt es auch die „Einzelgänger“ (zu denen ich mich persönlich zähle), die egal was der Großteil um einen rum so trägt, sein eigenes Ding durchzieht. Dann gibt es aber auch noch etwas, was für alle gelten sollte und zwar, dass man sich zu gewissen Anlässen, Treffen oder Veranstaltungen einer bestimmten Kleiderordnung unterwerfen sollte. Wie z.B. das erste Vorstellungsgespräch oder bei festlichen Anlässen.

Deswegen finde ich es schwer solch eine Frage im Allgemeinen zu beantworten. So eine Gruppendynamik, in der eine Richtung der Kleiderfrage quasi vorgegeben erscheint, kann mit Sicherheit selbstbewusster machen, aber auch nur ein „Mitläufer-Effekt“ sein. Alleine einem Stil standzuhalten und sich mit Hauen und Stechen abzuheben, kann aus Selbstbewusstsein entspringen, aber genauso gut auch daher, um sich abzukapseln, zu rebellieren oder hinter einer Fassade zu verstecken. Ob so etwas letztendlich zu mehr Beliebtheit führt ist fraglich und von Person zu Person unterschiedlich. Grob gesagt, wenn man den typischen Idealfall entspricht, kann es natürlich beliebter machen, weil man vielleicht dem entspricht, was uns „Modemagazine“ oder „Fernsehserien“ vorleben. In anderen Kreisen wiederum wirken spezielle Stile, Besonderheiten und Makel anziehend und führen zu Bewunderung.

Ich denke einfach, dass jemand, der blond oder braunhaarig ist, toll aussieht und sich schick kleidet in einem größeren Teil, sei es als Blogger oder im Alltag, mehr Anerkennung verspüren wird, als jemand mit buntem Haar, einem auffälligen Stil und wohlmöglich noch Metall im Gesicht. Die „große“ Welt ist für vieles einfach noch nicht bereit. Das ist das wunderbare an Blogs, hier ist Vieles erlaubt und findet Anklang, was in einem größeren Maß so vielleicht nicht funktionieren würde.

Dass „Mode ein Ausdruck von sozialer Intelligenz und Status“ ist, kann ich also nur bedingt zustimmen. Denn wie „intelligent“ ist es, 1 zu 1 aus den Vorgaben der Modehausketten zu kopieren oder aus Magazinen und wie weit sagt es etwas über deinen „Status“ aus, wenn du beispielsweise „Chanel“ trägst, dich aber menschlich einfach nicht korrekt zu benehmen weisst?

Das war nun ein wirklich langer Artikel, ich hoffe, dass ich dir, lieber Chaim, damit behilflich sein konnte. Und ich würde mich freuen wenn ihr, liebe Leser, eure Meinung mal kund tut! Auf auf.


EN: Hey english readers, sorry for not translating this quiet long text. It is about my opinion about fashion blogs. A different blogger, who is writing about anything but fashion, was asking me for help. He wrote me some questions and asked if I can answer them in an article. He is going to publish a big post about the „fashion blogger“ scene and wants to quote something out of my text/answer. If you are interested in my opinion I’m going to translate it for you guys, just write me a comment.